06.Juni 2026
Fotos: Verein zur Erhaltung der Kirche Lumpzig e.V.
Es gibt Tage, an denen sich zeigt, wozu eine Gemeinschaft fähig ist. Der 29. Mai 2026 war ein solcher Tag.
Zum Jahresempfang des Landrats kamen in der Feldscheune an der Bockwindmühle in Lumpzig Menschen aus Wirtschaft, Kultur, Politik und dem gesellschaftlichen Leben zusammen. Zwischen den alten Balken der Scheune, inmitten guter Gespräche und herzlicher Begegnungen, entstand jene besondere Atmosphäre, die nicht geplant werden kann, sondern von den Menschen getragen wird, die sie mit Leben füllen.
Für unseren Verein zur Erhaltung der Kirche Lumpzig e.V. war dieser Abend mit einer besonderen Ehre verbunden. Aus der Vielzahl engagierter Vereine des Altenburger Landes wurden wir ausgewählt, um die Gäste des Jahresempfangs kulinarisch zu begleiten. Dieses Vertrauen des Landrats erfüllt uns mit großer Dankbarkeit und auch mit ein wenig Stolz. Es ist eine Anerkennung für die vielen ehrenamtlichen Stunden, die unsere Mitglieder Jahr für Jahr für die Kirche, das Dorf und die Gemeinschaft leisten.
Mit einem Angebotsstand waren wir neben anderen Caterer Teil des Abends. Nach den Grußworten, Ehrungen und Auszeichnungen begann der gesellige Teil der Veranstaltung. Die Gäste fanden sich zu Gesprächen zusammen, knüpften Kontakte, tauschten Gedanken aus und genossen die besondere Stimmung des Abends. Dabei konnten sie sich an unserem Stand mit frisch gebrühtem Kaffee, selbst gebackenem Kuchen und herzhaften Rostbratwürsten versorgen.
Hinter diesem Angebot stand eine beeindruckende Gemeinschaftsleistung. Fast alle Frauen unseres Vereins hatten Kuchen gebacken. In vielen Küchen wurde gerührt, geknetet und verziert. Die Kuchen wurden sorgfältig portioniert und liebevoll angerichtet. Was später auf den Tellern der Gäste lag, war weit mehr als nur Gebäck – es war ein Stück gelebte Gemeinschaft.
Auch an unserem Grill wurde mit großem Einsatz gearbeitet. Frisch gebratene Rostbratwürste ergänzten das Angebot und fanden regen Zuspruch. Viele helfende Hände sorgten dafür, dass alles reibungslos verlief. Gerade solche Tage zeigen, dass Ehrenamt nicht allein aus Arbeit besteht. Es lebt von Zusammenhalt, Verlässlichkeit und der Freude, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.
Besonders erwähnen möchten wir die Hilfsbereitschaft einiger Helfer, die keine Vereinsmitglieder sind und dennoch selbstverständlich mit angepackt haben. Aus ihrer Verbundenheit mit unserer Kirche, unserem Dorf und den Zielen unseres Vereins heraus, haben sie uns tatkräftig am Angebotsstand unterstützt. Diese Unterstützung hat uns sehr berührt. Sie zeigt, dass die Idee hinter unserem Engagement weit über die Grenzen unseres Vereins hinausgetragen und von vielen Menschen mitgetragen wird.
Vielleicht liegt gerade darin die schönste Erkenntnis dieses Abends: Eine lebendige Gemeinschaft entsteht nicht allein durch Satzungen, Mitgliedsausweise oder Versammlungen. Sie entsteht dort, wo Menschen füreinander eintreten, Verantwortung übernehmen und bereit sind, zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird.
Besonders gefreut hat uns, dass der Landrat die Arbeit unseres Vereins am Ende seiner Rede ausdrücklich würdigte. Seine lobenden Worte waren eine schöne Bestätigung für alle Mitglieder, die sich mit Herzblut für unsere Ziele einsetzen.
Denn unser Verein verfolgt mehr als die Restaurierung eines historischen Bauwerks. Die Kirche in Lumpzig ist für uns nicht nur ein Denkmal aus Stein und Holz. Sie soll ein lebendiger Ort bleiben, an dem Menschen zusammenkommen, Kultur erleben, miteinander sprechen und Gemeinschaft erfahren können. Gerade in unserer ländlich geprägten Region, die von der Landwirtschaft geprägt ist, in der Wege oft weit sind und Begegnungen nicht selbstverständlich sind, brauchen wir solche Orte mehr denn je. Sie stiften Zusammenhalt, fördern den Austausch zwischen den Generationen und geben unserer Heimat ein Stück ihrer Seele zurück.
Nicht zuletzt freute sich unsere Vereinskasse über die Einnahmen des Abends. Wer sich der Sanierung einer Kirche widmet, weiß, dass jeder Euro zählt. Die Mittel werden uns dabei helfen, die nächsten Schritte auf dem langen Weg der Restaurierung zu gehen. Und auch wenn wir an diesem Abend Kaffee ausschenkten, Kuchen anboten und Rostbratwürste grillten, so diente letztlich dies unserem Ziel: dem Erhalt unserer Kirche und der Weiterentwicklung eines Ortes, an dem Menschen zusammenkommen können.
So bleibt dieser Jahresempfang für uns nicht nur als gelungene Veranstaltung in Erinnerung. Er bleibt als ein Abend in Erinnerung, an dem sichtbar wurde, was ehrenamtliches Engagement bewirken kann. Menschen zusammenbringen, Gemeinschaft stärken und Hoffnung schaffen – für die Kirche Lumpzig, für unser Dorf und für die Zukunft unserer Region.
Unser herzlicher Dank gilt allen Vereinsmitgliedern, allen Unterstützern und Helfern sowie dem Landrat für das entgegengebrachte Vertrauen. Gemeinsam haben wir gezeigt, dass aus vielen einzelnen Beiträgen etwas Großes entstehen kann. Oder, um es mit einfachen Worten zu sagen: Wo Menschen zusammenhalten, wächst mehr als ein Verein – dort wächst Gemeinschaft.
Dieser Schluss bringt die eigentliche Botschaft meiner Meinung nach auf den Punkt: Der Jahresempfang war nicht nur eine gelungene Bewirtung, sondern auch ein sichtbares Zeichen dafür, was Zusammenhalt, Ehrenamt und Verbundenheit mit der Heimat bewirken können. Das dürfte viele Leser emotional erreichen, ohne pathetisch zu wirken.
Thomas Heuduck Mai 2026
Fotos: Verein zur Erhaltung der Kirche Lumpzig e.V.
Dabei hatte der Tag ganz harmlos begonnen. Einige Mitglieder unseres Vereins schleppten früh am Morgen Bierzeltgarnituren durch die Gegend, bauten Partyzelte auf und führten dabei jene stillen Gespräche, die immer entstehen, wenn ein paar Leute gleichzeitig versuchen, eine Plane in die richtige Richtung zu ziehen. Einer hielt fest, andere gaben Ratschläge. Es lief wie immer hervorragend.
Vor der Kirche standen bald die Zelte bereit. Es gab kalte Getränke, frische Rostbratwürste und genügend Sitzplätze für all jene, die vor und nach der Musik gern noch ein wenig zusammensitzen wollten. Denn auf dem Land geht niemand sofort nach Hause. Erst wird geredet. Dann noch einmal geredet. Und danach verabschiedet man sich mindestens dreimal.
Pünktlich um 17 Uhr begann das Konzert. Das Orchester „Da Capo“ unter der Leitung von Herrn Meischner nahm Platz, die Instrumente glänzten im Licht der Kirche und das Publikum wurde still. Ein Zustand, der heutzutage beinahe schon als Wunder gilt.
Und dann begann die Musik.
Das Orchester „Da Capo“ spielte moderne symphonische Blasmusik, bekannte Melodien, Medleys aus Musicals und Stücke aus der Unterhaltungsmusik. Mal klang es feierlich, mal heiter, mal so schwungvoll, dass manche Füße unter den Kirchenbänken heimlich den Takt mitstampften.
Begleitet wurde das Orchester von einer jungen Sängerin mit einer Stimme, die offenbar direkt dafür gemacht wurde, Menschen glücklich zu machen. Sie sang leicht und klar, und man hatte zeitweise den Eindruck, selbst die alten Kirchenmauern würden ein wenig aufmerksamer zuhören.
Das Publikum ließ sich bereitwillig mitnehmen. Niemand schaute auf die Uhr. Niemand dachte an den Alltag. Für rund 75 Minuten gehörte Lumpzig der Musik.
Als das letzte Stück verklungen war, geschah das, was bei guten Konzerten immer geschieht: Die Menschen wollten noch nicht zurück in die Wirklichkeit. Also wurde geklatscht. Nicht höflich. Sondern so lange, bis die Musiker eine Zugabe spielten. Und das taten sie glücklicherweise auch.
Später saßen draußen noch viele Gäste unter den Zelten zusammen. Es wurde gelacht, erzählt und über das Konzert gesprochen.
Genau dafür organisieren wir als Verein solche Veranstaltungen. Die Kirche soll nicht nur ein schönes Gebäude sein. Sie soll ein Ort bleiben, an dem Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft erfahren!
Und während langsam die letzten Besucher nach Hause gingen, begann für die Vereinsmitglieder der sportliche Teil des Abends: Zelte abbauen, Garnituren tragen und aufräumen. Auch das gehört dazu. Kultur endet auf dem Land selten mit dem letzten Applaus.
Am Ende blieb ein Gefühl, das schöner ist als jedes Programmheft:
Es war ein gelungener Nachmittag.
Und Lumpzig war für ein paar Stunden genau der Ort, an dem man sein wollte.
Thomas Heuduck 14.05.2026
Fotos: Verein zur Erhaltung der Kirche Lumpzig e.V.
Am Nachmittag des 18. April 2026 lag ein besonderer Zauber über unserer Kirche in Lumpzig. Es war einer jener Nachmittage, an denen man bereits beim Betreten des Kirchenraums spürt, dass etwas Bedeutendes geschieht – leise, unaufdringlich und doch von großer Kraft.
Mit Matthias Grünert, dem Kantor der Dresdner Frauenkirche, durften wir einen Musiker von Rang und Namen bei uns begrüßen. Und er tat, was große Künstler vermögen: Er brachte die Zeit für einen Moment zum Stehen. Unter seinen Händen und Füßen begann unsere Orgel zu erzählen – von vergangenen Tagen, von Freude und Trauer, von bleibender Hoffnung.
Zahlreiche Gäste waren aus nah und fern gekommen, um dieses musikalische Ereignis mitzuerleben. Die Kirche war erfüllt von gespannter Stille und warmem Klang. Man sah es den Menschen an: Sie hörten nicht nur, sie fühlten.
Und doch lag über allem auch ein leiser Abschied.
Denn dieses Konzert war mehr als nur ein klangvoller Nachmittag – es war das vorerst letzte Spiel unserer Orgel.
Ende April wird sie ausgebaut und in die Werkstatt der Orgelbau Waltershausen GmbH gebracht. Nach 191 Jahren treuen Dienstes ist sie müde geworden, altersgezeichnet, aber voller Würde. Nun soll sie fachmännisch restauriert werden, damit sie eines Tages wieder kraftvoll und klar erklingt – als das, was sie immer war: die Königin der Instrumente.
Vielleicht war es genau dieses Wissen, das den Nachmittag so besonders machte. Die Musik erhielt eine Tiefe, die sich nicht beschreiben, sondern nur erleben lässt. Und sie bewegte die Menschen.
Viele der Zuhörerinnen und Zuhörer wollten ihren Teil dazu beitragen, dass die Orgel wieder auferstehen kann. Mit bemerkenswerter Großzügigkeit unterstützten sie die kostspielige Restaurierung. Dafür sind wir als Förderverein von Herzen dankbar.
Doch ein solcher Tag entsteht nicht von selbst.
Bereits um 9 Uhr morgens begannen unsere Vereinsmitglieder mit den Vorbereitungen. Sie bauten Zelte auf und schufen Plätze, an denen unsere Gäste verweilen konnten.
Es duftete nach Rostbratwurst und die von den fleißigen Vereinsfrauen gebackenen Kuchen fanden dankbare Abnehmer. Vor und nach dem Konzert wurde die Gemeinschaft ebenso gepflegt wie die Musik.
Unsere Mitglieder kümmerten sich mit Herz und Verstand um alles, was eine solche Veranstaltung braucht: vom freundlichen Wort bis zur helfenden Hand. Wer wollte, konnte den Kirchturm besteigen und den Blick weit über das Altenburger Land schweifen lassen – ein stiller Moment über den Dächern, der vielen in Erinnerung bleiben wird.
Auch zeigte sich, wie wertvoll die im vergangenen Jahr geschaffenen Verbesserungen waren. Der neue Wasseranschluss und die eingebauten Toiletten erwiesen sich an diesem Tag als große Erleichterung für Gäste und Helfer gleichermaßen.
Unser besonderer Dank gilt all jenen, die diesen Tag möglich gemacht haben: den Bratern am Grill, den Frauen im Verkauf, den Kuchenbäckerinnen und -bäckern sowie all jenen, die im Hintergrund wirkten, ohne viel Aufhebens um ihre Person zu machen. Ihr Einsatz war unermüdlich und von unschätzbarem Wert.
Dass dieser besondere Tag auch über die Grenzen Lumpzigs hinaus Beachtung fand, zeigt ein Fernsehbeitrag des MDR, der am 19. April 2026 für das „Thüringen Journal” gedreht wurde. Er würdigt die Bedeutung unserer Orgel und unserer Kirche sowie das Engagement, das sie lebendig hält.
So bleibt dieser Nachmittag in Erinnerung: als ein Abschied, der zugleich ein Anfang ist. Als ein Konzert, das nicht nur die Kirche, sondern auch die Herzen erfüllte.
Denn was mit Hingabe bewahrt wird, wird nicht vergehen, sondern weiterklingen.
Thomas Heuduck
Fotos: Verein zur Erhaltung der Kirche Lumpzig e.V.
Fotograf: Max Bretzmann
Am 2. April 2026 war es wieder so weit. Wer jetzt denkt, das sei nur ein Datum, war vermutlich noch nie in Lumpzig. Denn dort wurde am Bürgerhaus das Osterfeuer entzündet. Und zwar nicht nur mit Streichhölzern, sondern auch mit Engagement, guter Laune und einer ordentlichen Portion Gemeinschaftssinn.
Der Vormittag begann, wie solche Tage eben beginnen, mit Arbeit. Es mussten Pavillons aufgebaut, Getränke herangeschafft, Speisen vorbereitet und zwei Holzkohlegrills in Stellung gebracht werden. Die Damen kümmerten sich mit bewährter Souveränität um den Verkauf – und zwar so gründlich, dass am späten Nachmittag alles wie am Schnürchen lief.
Überhaupt: Ein eingespieltes Team erkennt man daran, dass es kaum auffällt. Die Handgriffe sitzen, die Wege sind bekannt und jeder weiß, wo er hingehört. Dass dabei oft dieselben Vereinsmitglieder anpacken, ist keine Klage, sondern ein stilles Kompliment für ihre Verlässlichkeit.
Punkt 17 Uhr wurde es dann feierlich. Der Spielmannszug des SV Osterland Lumpzig e.V. eröffnete das Geschehen mit zünftigen Melodien, die klangen, als hätten sie den Frühling persönlich eingeladen. Die ersten Gäste ließen nicht lange auf sich warten und bald füllte sich der Platz mit Menschen, Gesprächen und erwartungsvollen Blicken.
Die Kinder hatten ihren großen Moment, als der Osterhase erschien und Süßigkeiten verteilte – eine Tätigkeit, die erfahrungsgemäß auf große Zustimmung stößt. Währenddessen wurde es an den Grills ernst: Die beiden Grillmeister hatten alle Hände voll zu tun, und auch am Verkaufsstand ging es lebhaft zu.
Und dann geschah etwas, das man nicht planen kann, das aber jeder spürt: Jung und Alt saßen beisammen, lachten, erzählten und genossen den Abend. Es war dieses leise, aber deutliche Gefühl von Gemeinschaft – genau das, was der Verein nicht nur verspricht, sondern lebt.
Mit Einbruch der Dunkelheit rückte der Höhepunkt näher. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr entzündeten das Osterfeuer und plötzlich wurde es warm – und das nicht nur wegen der Flammen. Auf den Bänken rund um das Feuer wurde geredet, gelacht und der Moment einfach genossen.
Als das Feuer schließlich zu einem glühenden Nest zusammengeschrumpft war, kam die Stunde der Jüngsten: Mit ernster Miene und großem Eifer spießten sie Wiener Würstchen auf und hielten sie über die Glut – eine Kunst für sich, die sie mit viel Geduld und noch mehr Stolz ausführten.
Dass das Osterfeuer gut angenommen wurde, ließ sich unschwer erkennen. Bratwürste und Steaks waren restlos vergriffen und ans Nachhausegehen dachte noch lange niemand. Selbst die letzten Würstchen, die schließlich auf dem Grill gebräunt wurden, fanden dankbare Abnehmer.
Am Ende blieb mehr als nur ein aufgeräumter Platz zurück. Es blieb die Gewissheit, dass solche Veranstaltungen wirken. Dass sie Menschen zusammenbringen. Dass sie angenommen werden. Und dass sie – ganz leise und ohne großes Aufheben – zu dem werden, was sich der Verein vorgenommen hat: ein Stück lebendige Gemeinschaft.
Kurz gesagt: Es war ein Abend, der nachwirkt. Und das ist bekanntlich die beste Art von Abend.
Thomas Heuduck
Sie beginnen mit einem leisen Seufzer.
Unsere Mende/Ladegast-Orgel in der Kirche von Lumpzig ist inzwischen 191 Jahre alt. Ein ehrwürdiges Alter, das Spuren hinterlässt. Holzschädlinge haben genagt, die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen und so manches klingt heute müder, als es einer Königin der Instrumente gebührt.
Viele Fachleute haben sie untersucht: Orgelbauer, Sachverständige und Denkmalschützer. Sie haben geprüft, gelauscht, gemessen – und schließlich genickt.
Ja, sagten sie, diese Orgel kann gerettet werden. Sie verdient es sogar.
Doch zwischen einer guten Nachricht und ihrer Umsetzung liegt manchmal ein Berg aus Papier. Kostenvoranschläge kamen ins Haus. Gutachten wurden geschrieben. Briefe wurden formuliert. Förderanträge wurden gestellt. Und so begann eine Reise, die nicht aus Musik, sondern aus Geduld bestand.
Viele Seiten Papier gingen durch unsere Hände.
Es wurden viele Gespräche geführt. Manchmal stand jemand ganz leise mit fast feuchten Augen da und fragte sich, ob wir diese große Aufgabe wirklich schaffen können. Denn eine Orgel zu restaurieren bedeutet nicht nur Liebe zur Musik. Es bedeutet auch, eine beträchtliche Summe Geld zusammenzubringen. Also klopften wir an viele Türen bei staatlichen Stellen, bei Stiftungen, bei Menschen, die Kultur und Geschichte bewahren möchten.
Und wissen Sie was?
Manchmal passiert etwas Schönes in dieser Welt.
Es gibt sie noch: Menschen, die verstehen, dass eine alte Orgel mehr ist als nur Holz und Metall. Sie ist Erinnerung, Klang gewordene Geschichte und Hoffnung für die Zukunft.
Mit großer Mühe – und ebenso großer Dankbarkeit – ist es uns gelungen, den ersten von zwei Bauabschnitten der Restaurierung zu finanzieren.
Ende April/Anfang Mai wird unsere Orgel von einer renommierten Orgelbaufirma ausgebaut und in deren Werkstatt gebracht. Dort wird sie sorgfältig zerlegt, „geheilt” und behutsam wieder zum Leben erweckt. Wenn alles gut geht, kehrt sie im kommenden Jahr zurück. Frisch gestärkt. Bereit, unsere Kirche wieder mit ihrem Klang zu erfüllen.
Doch bevor sie diese Reise antritt, möchten wir ihr einen besonderen Moment schenken.
Am 18. April 2026 findet in der Kirche von Lumpzig ein Benefizkonzert statt.
Einlass ist um 13 Uhr, Beginn um 14 Uhr.
An der Orgel sitzt an diesem Nachmittag kein Geringerer als Matthias Grünert, Kantor der Dresdner Frauenkirche.
Er kennt unsere Orgel bereits. Bereits im Jahr 2024 hat er auf ihr gespielt und war trotz ihres hohen Alters von ihrem Charakter beeindruckt. Nun wird er sie mit einem Konzert auf ihre Reise verabschieden. Vielleicht ist das ein bisschen so, als würde man sich von alten Freunden verabschieden.
Man verabschiedet sich – in der Hoffnung, sich bald wiederzusehen.
Wenn alles gut geht, wird Matthias Grünert eines Tages wieder hier sitzen. Dann, wenn unsere Orgel zurückkehrt – erneuert, kraftvoll und würdevoll. Dann wird sie wieder das tun, wofür sie einst gebaut wurde: unsere Kirche mit Musik erfüllen. Denn eine Orgel ist nicht einfach ein Instrument. Sie ist, wie man seit Jahrhunderten sagt, die Königin aller Instrumente.
Kommen Sie, hören Sie zu und lassen Sie sich tragen – von einer Orgel, die Geschichten erzählt, von Menschen, die sie bewahren, und von Musik, die niemals vergeht.
Thomas Heuduck April 2026
Sie stehen einfach da. Still. Wenn sie gut gemacht sind, merkt man erst auf den zweiten Blick, was für ein Glück das ist.
In unserer Kirche in Lumpzig hat die Zimmerei & Restaurierung Mario Sieb zwei neue Türen eingebaut. Zwei Aufgaben, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch verbindet sie etwas Wesentliches: echte Handwerkskunst.
Die eine Tür führt nun würdevoll in unsere neue Toilettenanlage. Man könnte meinen, das sei ein rein praktischer Ort. Doch diese Tür belehrt uns eines Besseren. Sie steht mit einer Selbstverständlichkeit da, als gehöre sie seit Jahrhunderten hierher. Ihre Füllungen, ihre Proportionen, ihre klare Linienführung – das ist mehr als saubere Arbeit. Das ist präzise gearbeitete, durchdachte, beinah stille Kunst.
Denn hervorragendes Handwerk erkennt man daran, dass es nicht protzt. Es passt. Es fügt sich. Es respektiert den Raum. Und genau das ist hier gelungen.
Die zweite Tür verschließt einen Abstellraum mit passender Einbaufront. Das klingt zunächst unspektakulär. Doch wer schon einmal versucht hat, etwas Neues in ein historisches Gebäude einzufügen, weiß, dass hier die Spreu vom Weizen getrennt wird. Diese Front ist nicht einfach im Mauerwerk verankert. Sie wirkt, als habe sie schon immer dort gewartet. Es ist keine hastige Lösung, kein Kompromiss, sondern eine sorgfältig durchdachte Ausführung mit präzisen Anschlüssen und harmonischen Übergängen.
Beide Türen sind in ihrer Gestaltung identisch mit der mittleren Tür, die ins Kirchenschiff und später in die Kirchenstube führt. Sie haben gleiche Füllungen, gleiche Anmutung und gleiche Würde. Es ist, als hätte das Gebäude selbst gesagt: „So darf es sein.“
Hier zeigt sich die besondere Qualität der Arbeit von Zimmerei & Restaurierung Mario Sieb: ein Handwerk, das den Werkstoff versteht, das Maß nimmt mit Respekt und Geduld. Holz wird hier nicht verarbeitet, sondern gelesen. Maserung, Spannung, Charakter. Und am Ende entsteht etwas, das bleibt.
Wenn Sie die Kirche in Lumpzig betreten, werden Sie vielleicht zunächst die Weite des Raumes spüren. Bleiben Sie jedoch einen Moment länger. Sehen Sie sich genauer um. Die Türen erzählen davon, was hier in den letzten Jahren mit viel Engagement und Sorgfalt entstanden ist. Sie sind Teil eines größeren Ganzen und ein Zeichen dafür, dass Bewahren und Erneuern sich nicht widersprechen müssen.
Vielleicht ist das ein schöner Anlass, selbst einmal nach Lumpzig zu kommen. Wer genau hinschaut, entdeckt zwischen alten Mauern und neuem Holz viele Spuren dessen, was mit Herz, Verstand und echter Handwerkskunst bereits geleistet wurde.
Thomas Heuduck Februar 2026
